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Thursday, February 22, 2007

Anna in Afrika II






Die 10 Tage mit Fuhrmanns sind so schnell vergangen und es ist unglaublich viel passiert.

Wir waren i n den Magaliesbergen, das ist nördlich von hier und westlich von Johannesburg, in einem Haus mit Reetdach, zwei Balkonen, selbstverständlich einem Grillplatz, auf dem Sebastian, den neuen Potjiekus- Topf eingeweiht hat, also einen Suppentopf auf Beinen, der 2 – 3 Stunden auf dem Feuer schmort, das war auch für uns Vegetarier was feines, und einer Horde Warzenschweinen, also den afrikanischen Wildschweinen mit dem „König der Löwen“- Design, die uns oder vielmehr unsere Mülltonne mehrmals täglich besuchten und sich dabei von uns auch nicht stören ließen.

Mit Noa haben wir einen Ausflug in ein Elephant Sanctuary, also sozusagen ein Heim für gefallene Elefanten, gemacht, mit Vorträgen über Anatomie, Ernährung und Lebensgewohnheiten, mit Berühren von Elefantenrüsseln, - ohren, -füßen und –zungen (!) und der Möglichkeit, sich von einem Elefantenrüssel küssen zu lassen, da hab ich aber nicht so laut „Ich auch“ gerufen.

Wir sind durch das Gebirge gewandert (wobei mein Schwager wert darauf gelegt hat, das dies von Länge und Belastung noch keine richtige Wanderung war, ich fands aber erstmal durchaus ausreichend!), die Anblicke der verschiedenen Landschaften hier sind unglaublich schön. Übrigens deutlich schöner als auf den Fotos, aber, besonders mittags, auch viel heißer und stickiger, mittlerweile ist hier nämlich auch wieder richtiges Sommerwetter mit 30 + x Grad.

Aber auch zu Hause in Potchefstroom ist Afrika ein aufregendes Stück Welt. Besonders, wenn man drei Kinder zu hüten hat. Die sich wirklich alle drei mit ihren sehr unterschiedlichen Möglichkeiten sehr um chaosarme Abläufe bemüht haben, aber es war trotzdem sehr dynamisch. Der Höhepunkt war wohl der Gottesdienst in Ikageng, also dem Potchefstoomer Township: Uta hatte vor ihrer und Sebastians Abreise organisiert, dass wir vor die dortige Polizeistation fahren und uns von dort Lukas, ein Freund und außerdem Polizist, mit in seine Kirche nimmt. Dort erwartete uns ein Gesamtkunstwerk, welches ich hier nicht mal anfange zu beschreiben, da müßt ihr eben doch mal selber herkommen, liebe Europäer, nur soviel vielleicht: der Lautstärkepegel war schon ohne die Mikrofonanlage überwältigend, die Qualität des Gesanges ebenso, und die Begüßung der Gäste aus Deutschland wurde verbunden mit einem Dank für alle deutschen Autos, die hier in der Garagen stehen, und das war nicht ironisch gemeint.

Der Dennepark, Fuhrmanns Wohngebiet, kriegt wohl keinen Schönheitspreis, sieht schon alles ein bißchen nach Plötzensee aus (wobei man sofort Fuhrmanns Haus erkennen würde: mit Vordach, Pflanzen und diversen Spielzeugen), aber die Nachbarschaft ist ganz was großartiges (kleiner Einschub für Heidi: ein bißchen wie deine Arche in Toronto): man hat in den Nachbarhäusern Leute aus Nigeria, Bangladesh, Texas und Kasachstan, und es kümmern sich wirklich alle rührend umeinander. Das ist für die Kinder, und natürlich auch die Eltern, bestimmt eine große Entlastung.

Es war auch ein Vergnügen, viele der Leute zu treffen, von denen Fuhrmanns an dieser Stelle schon berichtet hatten. Bei aller problematischer Geschichte: die Menschen in diesen Siedlungsländern strahlen eine Herzlichkeit und Gastfreundschaft aus, das hat mich schon in Nordamerika beeindruckt. Besonders hervorheben möchte ich in diesem Zusammenhang Ad und Huibre, die uns auf ihrer Farm gestern unfreiwillig noch eine besondere Attraktion geboten haben: eine Ringhalskobra (ernsthaft giftig!), die sich morgens ins Gästezimmer geschlichen hatte, um dort von Ad mit dem Luftgewehr erschossen zu werden. Ich bin mir ja noch nicht sicher, ob sie sich nicht bloß totgestellt hat, später am Abend war sie nämlich weg. Aber wie auch immer, ich habe all meinen Mut zusammengenommen und sie zweimal angefaßt! Ohne zu kreischen!

Heute steht unser Abschied an, mit in wörtlichem Sinne großem Bahnhof: wir fahren nachher von Potchefstroom los nach Cape Town, mit dem Zug, 24 Stunden. Donnerstag fahren allerdings keine Schlafwagen, wir mußten also Economy Class nehmen, die Frau am Schalter wollte uns beinahe die Tickets nicht verkaufen!! Bin sehr gespannt, das wird ein weiteres kleines Abenteuer, ich werde das vielleicht nachposten.

Tuesday, February 13, 2007

Anna in Afrika I





Hello, how are you, ich bin Anna, Utas Schwester, und ich mache hier gerade Urlaub. Und das ist sehr interessant.

Alle Einheimischen, einschließlich Fuhrmanns, versäumen es nicht, uns stündlich darauf hinzuweisen, dass es gerade sehr kalt ist (bei T-Shirtwetter um die 26 Grad, nebenbei bemerkt…).

Unser Urlaub begann mit einem zwar reibungslosen, aber trotzdem anstrengendem 11-Stunden-Flug, ich empfehle allen, die noch herkommen, erstens vegetarisches Essen vorzubestellen, ist leckerer und man bekommt es vor den anderen, und zweitens, wenn man bei Tageslicht fliegt, eine Afrikakarte dabeizuhaben, es ist sehr beeindruckend, wie unterschiedlich die Wüste aussehen kann, über die man 3-4 Stunden fliegt, wir wussten bloß nie, über welchem Land.

Dann haben wir den ersten Tag mit Uta und Noa in Johannesburg verbracht und ein sehr beeindruckendes Programm absolviert: Zuerst hat uns Dave, der Chef vom Guesthouse, in echter Herbergsvatermanier das Land, die Geschichte und die Stadt erklärt und von letzterer auch gleich sehr sehenswerte Orte gezeigt (in einem coolen Toyota-Jeep): ein abgefahrenes Villenviertel, einen Coladosenweitwurf entfernt von einem wilden Squattercamp, also einer Blechhüttensiedlung, deren einzige Kanalisation ein ehemals bestimmt netter Springbrunnen am Straßenrand ist. Diese krassen Gegensätze bestimmen ja überhaupt die Wahrnehmung hier, finde ich.

Dann waren wir auf einem Parkhausdeck, das sich am Sonntag immer in einen sehr schönen Markt mit Kunsthandwerk und interessantem Essen, Biltong neben feinsten Törtchen, verwandelt. Ich war so erschlagen von der Menge von Dingen, dass ich mir bis auf ein Paar Schuhe gar nichts kaufen konnte.

Auf Utas Empfehlung sind wir dann in das Newmarket Theatre gegangen, wo in einem 1-Personen-Stück ein sensationeller Schauspieler sich selbst, seinen neugeborenen Sohn, seine Großmutter und noch weitere 5 Personen gespielt hat, ganz beeindruckendes Stück mit viel Südafrikageschichte.

Und dann war tatsächlich noch Zeit und Kraft, den Constitution Hill zu sehen: dass 1994 gebaute Verfassungsgericht auf dem Gelände eines ehemaligen Gefängnisses, SO EIN Gebäude habe ich noch nie gesehen: ein echter Gerichtssaal, aber mit so viel künstlerischer Gestaltung, dass es einen Museumsbesuch ersetzt. Echte Gänsehautatmosphäre.

So, und das alles in den ersten 24 Stunden, nicht schlecht, wa?

Danach sind wir in Potchefstroom gelandet und haben Fuhrmanns Alltag mit den großartigen Kindern besichtigt, vielleicht nicht ganz so spektakulär, aber auch sehr sehenswert… Henri z. B., der auf die Frage, ob er auch englisch spricht, antwortet: Nee, nur afrikaans, und ob er mal auf Afrikaans zählen könne: ja klar, one, two, three, four…., oder Noa, die in fließendem Englisch den Nachbarsmädchen erlärt, warum ihre Tante kein Fleisch ist. Und Rosa: redet tapfer mit, mit den Wörtern ist es noch übersichtlich, aber „Anna“ war schon deutlich zu verstehen.

Wir fahren morgen alle zusammen ins Gebirge. Ich habe interssanterweise heute Nacht davon geträumt, auf der B1 (in Berlin) links zu fahren….

Sunday, February 11, 2007

Vaalverwandtschaften





möchte ich die Bilderserie umschreiben, die heute, bei einem kleinen nachmittäglichen Ausflug zum - Sie ahnen es - Vaal entstand.

Gottesdienst in Ikageng


Nach einem halben Jahr sind waren wir letzten Sonntag (also bevor's etwas ungemütlich wurde) auch endlich mal in Ikageng zum Gottesdienst.

Nachdem am Sonnabend die Babyshower für Kathrin und Ingo war. Dieser Brauch ist eine (Überraschungs-) Party für die werdende Mutter, zu der es eine Menge Geschenke und Essen gibt und, bei so engagierten Vorbereiterinnen wie Manja (und ein bischen Ich) auch Programm. Wir haben Katjuscha gesungen (Text in lateinischen Buchstaben) und jede Menge Frommes. Die Mädchen haben sich eine eigene Show ausgedacht (wirklich cool!) Und zum Schluss noch das übliche Volleyball samstags 4 Uhr.

Ich habe Barbara angerufen um nach einem englischsprachigen Gottesdienst in Ikageng zu fragen. Gibt’s zwar nicht, aber nachdem wir vereinbart haben, dass wir Bs Mutter Anna, die Lehrerin, mitnehmen in ihre Kirche weil B Dienst hat (Polizistin) und wir danach die beiden Mächen Nthabiseng und Neo zu uns nehmen, hat Anna noch den Pastor angerufen um uns anzukündigen.

Gesagt getan.

Das war ein Gottesdienst, der uns allen gefallen hat. Und der ging 2,5 Stunden!! Ein Glück wußten wir das nicht vorher. Und das verrückte war, das alle Kinder sich pieckobello benommen haben. Rosa hat die meiste Zeit geschlafen. Henri war der reinste Engel, nicht zuletzt vielleicht auch weil wir kurzerhand den Guckitag von Sonnabend auf Sonntag geswitcht haben, nachdem er uns die letzten drei Sonntagvormittage versaut hat. Klappt der Vormittag mit ihm, klappt der Nachmittag mit uns ... hört sich ein bisschen gemein an, ne?

Ich weiß gerade nicht so recht, wie ich den Kern vermitteln kann. Leider gibt’s keine Tonaufnahmen per blogg. Folgendes wäre zu erwähnen:

Es ist eine unierte reformierte Kirche. Das heißt eine ehemalige nederduits gereformeerde (die quasi Staatskirche bis 1994) ist nach Apartheidszeiten uniert geworden, um die Vereinigung aller (schwarzen und weißen) Gemeinden voranzubringen (m.E. geht es auch um eine Vereinigung der einzelnen reformierten Denominationen, also der nederduits-[ge]reformeerden, der hervormden und der gereformeerden kerk. Lustigerweise heißen die in englisch schlicht reformed).

Das hast du aber gut erklärt, Sebastian! Ich frage manchmal halbherzig nach, was bei denen den der Unterschied ist (mir die Namen zu merken gelingt mit noch weniger), aber es rutscht immer sofort aus dem anderen Ohr wieder raus.

Nachwievor ist diese Gemeinde ausschließich schwarz, aber das ist sehr nachvollziehbar der Regionalität und Sprache halber.

Neo nennt die Kirche einfach Mokoko, Hühnchen, weil ein Wetterhahn auf dem Turm sitzt.

Wir kamen an, und die Sonntagsschule tagte schon. Sie sangen und tanzten in den Reihen dazu. Mädchen und Jungen vom Vorschul- bis zum Teenageralter. Manche der Jungen zwar verlegen grinsend aber deswegen nicht leiser.

In den Schwarzen Gemeinden war es früher üblich, dass die verheirateten und älteren Frauen einheitlich gekleidet sind. Viele machen das heute noch. In diesem Falle ganz in Schwarz mit großem weißen Kragen. Das wirkt wie eine Mischung aus Schuluniform und Nonnentracht. Sehr würdevoll, neben dem Kichenvorstand haben die Damen damit gleich eine Art Lobby. Sehr präsent. Sitzen auch alle beieinander. (Es ist aber auch zu merken, dass manche das gar nicht mögen: zwischen den schwarzweißen sitzen leuchtet dann und wann ein buntes Kleid mit prächtigem Hut)

Die Musik ist was Genaues! Eingangs gab's ein Lied was sich ganz stark nach einer Adaptation von Großer Gott wir loben dich anhörte.

Ein paar Takte singt eine Stimme irgendwo in der Kirche, dann setzen alle ein und wohltönende SopranAltTenorBaßstimmen füllen die Kirche, begleitet einzig vom Klopfen auf die Gesangbücher und einer Art Glocke/Triangel/Schelle.

Seb meinte, dass man sich gut vorstellen kann, wie sich die Leute dort Kraft für die triste Woche holen. Natürlich wird dazu mehr oder weniger ausgelassen, aber auf jeden Fall fröhlichst, getanzt. Einfach ein Schmaus für Augen und Ohren.

Nach ein paar Liedern kommt dann der Prediger auf die Kanzel. Der sympathische Chorleiter hatte seine liebe Not, für uns zu übersetzen (er fing auf Afrikaans an, bis Anna ihm steckte, dass wir das auch nicht verstehen würden).

Der Pastor war so im Schwung, dass er keine Zeit fürs übersetzten ließ und den Übersetzter auch meistens übertönte. Aber ein paar Wörter schwappten doch zu uns rübr: es ging jedenfalls um Moses und dem Pharao und wer wen großzog. Aber das tat der guten Stimmung des Chorleiters keinen Abbruch, er übersetzte einfach so gut es ging.

Nachdem der Gottesdienst schon eine Stunde lief, war die Kirche dann auch gefüllt.

Was spezielles nach der Predigt war das Kollekte sammeln. Das war eine einstündige Zeremonie. Nach Gruppen geordnet: Kinder, Frauen, Männer, alte Frauen, Frauen deren Mann zuhause geblieben ist, und noch zwei drei andere Konstellationen, tanzen zu besagten Gesängen nach vorn, um auf den Tisch, an dem der Kirchvorstand sitzt, Geld abzulegen. Es wird immer gleich gezählt und in ein Heft notiert. Zwischen den einzelnen Gruppen gibt’s eine Einlage von Chorleiter und Kirchenältesten, an deren Schluss die nächste Gruppe angesagt wird.

Dazu muss gesagt werden, dass es eigentlich keine Hauptamtlichen gibt, da das Gehalt in den schwarzen Kirchen so gering ist, dass alle Pfarrer noch andere Jobs haben (einer der Gründe, weshalb viele Kirchen noch nicht vereint sind, denn weiße Pfarrer haben ihr Auskommen, wenn wohl auch nicht üppig).

Zum Ende hin näherten sich Henri und Rosa auch den anderen Kindern (für manche dort sind weiße Kinder ungewohnt und werden neugierig betrachtet) und Gayle mit ihrem Fotoapparat hatte unter den ca 6 jahrigen ein paar Charmeure.

die neuen bandfotos sind raus...


bandname steht allerdings noch nicht fest, Favorit: "definitively no angels, not at all"

Folgenden Eintrag wollte ich eigentlich am Sonntag, den 28. Januar 2007 um 0.30 reinsetzen:


Nun, drei Wochen nach David Bowie, wird Vater Wolfgang auch seine 60 Jahre

alt! Ich könnte theoretisch ja die erste Gratulantin sein, weil es bei allen Deutschen erst halb 12 ist, aber ihr habt euch an die Ostsee verzogen, auch schön.

Lieber Vati, schön, dass du da und gesund bist, und vielen Dank für Alles!!

(Mutti, auch wenn du gerade 59 geworden bist und ich dir das selbe sagen möchte, wirst du erst nächstes Jahr in diesem Sinne geehrt.)

Noch was ganz anderes...


..., nämlich, woher Fikas Name kommt. Er heißt ja eigentlich Johann Jakob.

Den Namen hat er von seinem Großvater geerbt.

Dieser war als burischer Junge eines der vielen Kinder, die zusammen mit den Müttern in englischen Konzentrationslagern eingesperrt waren. Der Großvater hatte 9jährig die Aufgabe, die Schafe zu hüten. Da er im hohen Gras nichts sehen konnte, ist er immer auf die Steine geklettert. Auf Sutu heißt das ungefähr Mafika- der auf die Steine klettert. Daraus ist Fika geworden.

Liebe Tante Moni, hier die Antwort auf deine Frage: die Schulkleidung auf den Bildern sind die Sportsachen der Schule. Die Kinder haben zu Beginn des Schuljahres ununterbrochen Wettkämpfe und Qualifizierungen und weiß der Kuckuck.

Die ersten 2 Wochen sollten sie nur in Sportsachen kommen. Ansonsten gibt’s dann die Sommeruniform: die grünen Kleider mit weißen Strümpfen und schwarzen Lederschuhen, im Winter diese dunkelblauen Jogginganzüge.


Saturday, February 10, 2007

Sonnabend, 10.2.07

Demnächst in diesem blog: was meinen Anna und Karola, die heute abend in Joburg einfliegen? Was hat sich getan nach dem ersten halben Jahr, wie sieht das Leben der Familie Fuhrmann nach dem Eingewöhnen aus?

Wednesday, February 07, 2007

noch vor den google news: Amagluglug wins!






Ihr Lieben, bin gerade eben rein, und muss es sofort in die wilde weite welt spreaden: Amagluglug hat's geschafft! In einem packenden Fussballthriller gegen Uganda siegten die Jungs von Trainer Mpoto Ngiwale (Name von der Redaktion erfunden) mit einem furiosen 2:0 im Rahmen der Olympia-Quali. Ihr könnt übrigens Eure Atlasse wegräumen (in eure Kalebanten z.B., klar weiß ich's besser): den launigen Namen Amagluglug gaben Fußballfunktionäre - wer denkt da nicht an GMV - der U23-Mannschaft unseres geschätzten Gastgeberlandes. Noa und ich waren also gut ein halbes Jahr nach unserer Ankunft hier das erste mal beim Fußball, der Eintritt war frei, die Stimmung großartig. Dummerweise sind die auch in Deutschland bekannten Plastikfanfaren (meine Frau würde sagen: Plastefanfaren, sind ja keine Skulpturen) hier extrem populär, sie werden gratis ausgeteilt und geben ein schreckliches Hintergrundgedröhn ab (übrigens auch bei jeder, zumeist recht drögen TV-Übertragung von Liga-Spielen). Zudem wurden auch SA-Flaggen ausgeteilt, was für Athmosphäre sorgte, gleichwohl aber doch wie ein etwas gezwungener Patriotismus wirkt (das Gegenteil quasi wie damals in D, im Sommertraum). Trotzdem: als wir (ca. 3000 Gäste, davon ca. 8 weiß) das Nkosi Sikelel'i anstimmten, wurde auch beim afrikaansen Teil fröhlich mitgegröhlt. Kurz zu den Photos: Amagluglug trat in Gelb-Grün an, auf dem einen Photo sieht man recht hübsch, wie die Uganden völlig reglos stehen, während sie von unseren Recken leichtfüßig umspielt werden. Das Photo mit den Fahnen hoch ist wenige Sekunden nach dem 1:0 (von Nr. 17, dem neben dem Schiri übrigens einzigen Weißen auf dem Feld [wahrscheinlich hat's für Rugby nicht gereicht]) entstanden. Unvorstellbare Euphorie!

Friday, January 26, 2007

Donnerstag, 25. Januar 2007






Gestern ist Anu 9 geworden. Und hier war großer Bahnhof, so groß, dass Seb. und ich dachten, so'n Mist, man kann trotzdem nicht mal einen unserer drei Kindergeburtstage abhaken! Aber amüsiert haben sich alle prächtig, sei’s drum.

Modupe wollte Anu eigentlich auf ihren 10. Geburtstag vertrösten, weil erstere z.Z. so ein großes Arbeitspensum hat, dass sie es nicht schafft etwas vorzubereiten. Ach was, sagten sich da Gayle, Manja, Kathrin und Uta, das basteln wir schon was zu recht.

Es gab Schatzsuche durch den Dennepark. Highlights: Tanzeinstudierung mit bestimmten Figuren die vorkommen müssen. Musik: Anus Lieblingslied. -haltet Euch fest-: Die Ärzte, und zwar ein Song namens Schunder (Ihr wisst schon das Lied mit der Rache und dem schönen Schlagzeugintro)…

Anu war der Text ziemlich schnurz, beziehungsweise kannte sie ihn gar nicht, besser so. Aber alle Mädchen haben glücklich gehottet, sehr rockbar!

Finale Schatzsuche dann bei Orakelman alias Sebastian im Pakistanerkostüm. Rätsel siehe Foto. Im Stress natürlich wieder nicht ans fotografieren gedacht.

P.S. Gayle kommt aus Texas und seit ca. 10 Tagen hier. Könnte sein, dass sie im Rahmen dieser Darstellung noch mal auftaucht.

Mittwoch, 24. Januar 2007


Keine Sorge, falls die eine oder der andere schon befürchtet, dass der blog langsam gar nicht mehr gefüttert wird, dazu macht das Schreiben viel zu viel Spaß. Aber in letzter Zeit habe ich nur Meckerberichte verfassen können, die ich euch nicht unbearbeitet kredenzen wollte.

Hier zum Beispiel:

Dienstag, 17. Jan. 2007 Falls sich manch einer dann und wann fragt, wie wir das alles hinkriegen und ich immer voller Zuversicht und Kraft erscheine, hier mal ein etwas anderer Artikel:

Zur Zeit weiß ich nicht, wo mir der Kopf steht, ich bin dauermüde und mir ist alles zuviel, mein Gedächtnis hat schon Korsakovsyndrome, ich sehne mich den ganzen Tag danach, Ruhe zu haben und mich ins Bett zu verziehen um zu lesen. Aber selbst da finde ich keine Ruhe und bin einfach nur erledigt.

All diese zu erledigenden Dinge sind auf Listen oder bohren in meinem Kopf, der schwer und voll ist. Nix kann man hier zu Ende machen, die Kinder hören oft nicht und ich habe es scheißsatt, alles immer wieder sagen zu müssen. Bin ständig am abholen und wegbringen und rum- und umorganisieren. Vergesslich, ungeduldig, gereizt und unausgeglichen. Noch was? Zum Glück habe ich so einen phantastischen Mann, mit dem ich bald in den Urlaub fahre. Außerdem ist das Wetter z.Z. so beschaffen, dass sowieso niemand was hinkriegt.“

So sieht's aus, ihr Lieben“

Eine gute Nachricht: Sebastian ist schon seit über einem halben Jahr Nikotinfrei! Er achtet darauf, dass das auch gewürdigt wird, am besten 1 mal täglich.

Henri und Turjo (Nickname von Sheihan) sind in Asjassies sehr gut aufgehoben, sie ziehen zwar ihr eigenes Programm durch (Henri malt prinzipiell nur mit selbst mitgebrachtem Papier und Stiften, und lieber in der Mittagspause und nicht morgens, in der „Kunstzeit“. Neulich liefen auf dem vorderen Spielplatz die Rasensprenger und beide waren auf einmal aus der Klasse verschwunden, bis die Lehrerin sie klatschnass und vergnügt fand) aber auch Makie, die Lehrerin, scheint das eher zu amüsieren.

Auf dem Weg dorthin fahren wir auf das Krankenhausgelände, und eines morgens saß am Straßenrand eine Affenfamilie: Vater und Mutter mit Affenbaby am Bauch. In solchen Momenten denke ich dann: ach wie herrlich, wir sind ja in Afrika!

Die obere Reihe auf dem Badephoto dürfte klar sein, die untere Reihe im Urzeigersinn: Uta, Manja (unsere Nachbarin aus Potsdam) und Jonathan.

Friday, January 12, 2007

Donnerstag, 11.1.07





Heut ist Sebastian dran mit Rosas und Henris Eingewöhnung im neuen Kindergarten.

Unfassbar, was seit Weihnachten alles los war. Wie auch in Deutschland besucht man sich viel zwischen den Jahren. Wir waren jeden Tag bei 1 bis 2 GastgeberInnen. Und weil es so unterschiedliche Leute und das Essen (na was wohl?) so lecker war, wurde es uns überraschender Weise nicht zu viel und die zugenommenen Kilos haben sich wirklich gelohnt. Was wir im einzelnen so erfahren haben, wird ein andermal beschrieben.

Neujahr rief uns die Chefin vom viel beschriebenen Kindergarten an, dass Dippedapp Anfang Februar schließen müsse. Das war ein Schock, und ich wagte kaum, Henri davon zu erzählen. Merkwürdiger Weise kam die Nachricht kurz nachdem ich beschlossen habe, dass ich den Zustand mit der fanatischen Nachmittagsbetreung nicht akzeptieren kann.

So machte sich dann die zunehmende Lebenserfahrung von mitte 30 bemerkbar und ich verschwendete keine Zeit damit, sauer und verzweifelt zu sein. Ich hoffe einfach, dass es für Henri nicht so schlimm ist wie von mir befürchtet.

Unsere neuen Nachbarn aus Bangladesch, Familie Islam, haben einen Sohn in Henris Alter. Was liegt näher, als die beiden zusammen in den Kindergarten zu schicken?

Der Kindergarten heißt Asjassies. Da ich den Namen das erstemal von Shahana (Frau Islam) gehört habe und das Gelände Richtung Mohadin, dem indischen Township Potschefstrooms liegt, musste ich immer an die Assassinen, die Haschisch rauchenden Selbstmordkämpfer des Mittelalters aus dem Orient, denken. Aber es ist wohl ein afrikaanse Wort und meint sowas wie rumtoben.

Es ist eben richtig Schule. Um halb acht geht es mit Kunst los, andere Fächer und Spielzeit folgen. Es gibt eine Englisch- und eine Afrikaansklasse. Durch das viele englisch zu Hause mit den Nachbarskindern hat er sowieso schon ein Englischafrikaansgemisch gesprochen (wobei gesprochen ein bischen viel gesagt wäre), sodass er mit Sheihan in die bunnyclass; englisch, geht.

Ehrlich gesagt hadere ich zZ ein bischen mit der Kindergartensituation. Als ich gestern mit Rosa den Vormittag in der Babygruppe verbracht habe, schätze ich, dass 95% der Eltern, die ich so kenne, dort ganz schnell wieder gegangen wären. Einschließlich mir. Nun weiß ich mittlerweile, dass meine Maßstäbe ganz verschieden von denen der Kinder sind, dass es der erste Tag und damit ganz schön Chaos war und das wir schließlich in Afrika sind und ich hier kein Berlin draus machen kann (laut Pisa ja auch nicht das gelbe von Ei), und ich selbst im Berliner Kindergarten oft mit den Zähnen geknirscht habe. Deshalb habe ich heute Seb geschickt, um das mal ein bischen zu objektivieren.

Unser Weihnachtsbaum konnte sich wirklich sehen lassen. Er wurde öfter von Henri und Noa umdekoriert. (Foto)

Beim zusammenpacken der Advents- und Weihnachtssachen gabs ein bis jetzt unbekannten Arbeitssschritt: alle Fliegen aus den Spitzen des Sterns rausklopfen.


Sylvester haben wir morgens eine Stadtrundfahrt unternommen und sind zu fünft durch die verschiedenen Townships gefahen, danach zur Kirche, und durch eine wegen Krankheit abgesagte Verabredung sind wir dann zum Abendbrot auf gut Glück mit großer Kühlbox (Brotteig, Salat, Fleisch) los, um am Vaal, dem geschichtsträchtigem Fluss 25km entfernt, eine schöne Stelle zu finden. Und klappte natürlich prompt. Ich war stolz auf meinen Mann und die ganze Familie, so ein stressfreies schönes Picknick mit Baden und spielen und grillen hinzubekommen.

Abends haben wir dann noch mit Nachbarn zusammengesessen und anderen Theologen: Tim, Australierer und Südafrikaner, geht mit seiner Liebsten nach Burundi, um dort eine Theologische Schule aufzubauen. Obwohl die Kirche das zugesagte Geld zurücknahm, wird er diesen Plan umsetzen. Allemal bewundernswert. Burundi ist dann richtig Afrika. Im Gegensatz zu Südafrika “das Afrika für Anfänger“ (schrieb ich das etwa schonmal? Möchte mich ungern wiederholen).

Neujahr haben wir ein Dennepark Picknick veranstaltet: Alle Übriggebliebenen (Potch war herrlich leer), das heißt alle Ogunrombis (Akin, Modupes Mann, ist auf der Durchreise, er hat seine Ausbildung in Kapstadt beendet und zieht wieder nach Nigeria. Ein Glück bleiben die Mädchen noch, bis Modupe fertig ist), die Bangladeshis, und die 2 deutschen Familien Büsching und Fuhrmann, sind zum Fluß (eher ein Bach) und haben getafelt.

Letzten Sonntag hat Seb seinen ersten Gottesdienst in der deutschen Gemeinde gehalten.
Was soll ich sagen, natürlich waren se alle wieder hin und weg.

Am letzten Ferientag durften die Mädchen morgens reiten. Drauf gekommen bin ich, als ich überlegte, wie man sie am besten morgens ohne Protest aus dem Bett bekommt, damit sie einigermaßen wieder in den Rhythmus kommen. Ich weiß noch, wie unser Vater uns den letzten Ferienmorgen zu versauen pflegte (in bester Absicht natürlich!) mit eben letzterer Begründung, und ich jedesmal schlimme Rachepläne schmiedete.


Nachtrag am 12.1.: Rosa wird nicht in den Kindergarten gehen.