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Thursday, March 22, 2007

Mittwoch, 21. März 07 Human Rights Day





Wie es scheint, habe ich in letzter Zeit eher Material gesammelt als produziert. Es war soviel los, dass ich weder Zeit hatte zu schreiben noch wußte, wo ich anfangen soll.

Ich weiß gar nicht wie Leute, die ohne Kinder reisen, überhaupt was erleben können. Was uns durch die drei Süßen alles so zugänglich wird, ist unschätzbar.

Werde auch bald mal wieder ausfühlicher über sie selbst schreiben. Sie sind alle eine wahre Pracht.

Gestern, Dienstag, war ein Prototyptag (oder kann ich schreiben Prototag?) der vergangenen Wochen. Na gut, er war besonders besonders voll und ohne meine Arbeit – das Lesen für die Prüfung.

Ich bekomme überall Informationen, die ich in Zettelform in meinen Kalender packe, in der Hoffnung, abends aus diesen Wirrwarr einen Plan zu machen oder mir für den blog zu merken.. Morgens alle Kinder weg, Henri bleibt wegen einer geschwollenen Nase und Lippe (Sturz von der Rutsche) zuhause und kostet das voll aus. Gibt nix schöneres als nicht in den Kindergarten zu gehen. Wir zusammen zum Sport, wegen erwähnter Damage nicht im Kinderraum, sondern, unter drei Versprechen, ruhig zu sitzen und zu lesen, mit im Sportraum. Dann gemeinsamer Einkauf bei fruit & veg.

Zuhause aufräumen weil die Putzkolonne kommt. Als die kommen, noch kurzer Plausch mit Ike und wann wir endlich mal Zeit finden, Kaffee miteinander zu trinken (heute erledigt). Mit Henri und einer Pappkiste ausm Laden, die er als mobiles Nest mit sich rumschleppt, machen wir Wäsche und Anrufe an der Telefonzelle und fahren Blumen kaufen um Utta zu besuchen, die letzte Woche 70 geworden ist. D.h. mit Huibré die Planung für Sambia vorangebracht, unseren Ausflug (samt Shahana, Turjo, Mod & kids und Gayle) von heute auf Sonnabend verschoben, bei Utta und ihrem Mann Duncan (u.a. ein Kräuterspezialist, Geologe, Sänger und passionierter Lehrer) vorbeigeschaut und ihnen Blumen und Ikes Telnr. gebracht, Für Uttas Kreuzschmerzen Utas Beckenbodengruppe verordnet (beginnt wahrscheinlich am 2. Mai) überraschender Weise ein homöopathiches Malariamittel von Duncan gemixt bekommen, Beinwellsalbe und Bier als Zahlungsmittel vereinbart.

Rosa abgeholt und schnell noch 10 Minuten hingelegt und Augen fest zugedrückt um 5 min zu schlafen (Kampfschlafen), für die Graduation fertig gemacht, Seb Kinder übergeben, Bill (Kongo) abgeholt und zur Uni gefahren. Dort Janet (SA) Godwin (Simbabwe) Jean (Ruanda), die beiden letzteren in Robe, getroffen. Ich war vorgewarnt das solche Veranstaltungen sehr langweilig sein können und hatte mir mein zZ geliebtes „Oxford advanced learner’s dictionary“ (Jawohl:stolze Uta: bereits advanced!) eingepackt, aber - das gibt’s doch nicht- den Fotoapparat schon wieder vergessen.

Aber ach, so langweilig war das gar nicht. Nun habe ich auch noch keine solche Veranstaltung in Deutschen Unis besucht, schön war die Ordnung und die ganzen Lehrtrachten mit dem strengen und feierlichen Ablauf und dass ich zum Schluss aus vollem Halse mal wieder die schöne Hymne mitsingen konnte. Wir waren ja die Vertretung für Godwins und Jeans Familie, und waren dann demtsprechend auch ganz stolz, besonders als Godwin als einer der Besten sein Honors zum Schluss und gerahmt überreicht bekommen hat. Dann haben Janet und ich noch für Fotos in allen Konstellationen gesorgt (mit der von Ingo geborgten Kamera).

Nachdem ich diverse Freunde und meine Familienmitgleider zu Jeans Haus gebracht hatte, fuhr mich Seb widerum zum Englischunterricht von 6 bis acht. Von da aus auf dem Nachhauseweg am „Burgundis“ vorbeigelaufen, wo ich Kiki mit einem Mann sitzen sah, der ihr gerade einen Verlobungsring überreicht hatte. Ich war also die allererste, die es erfuhr!

Zuhause haben die Kinder noch gespielt. Anu ist dabei eingeschlafen, aber Noa, Ayo, Henri und Rosa haben, oh Wunder, einträchtigst miteinander noch lange (denn heute war Feiertag) Notaufnahme gespielt (Noa als Patient).

Sonnabend, 17.3.07


Link: sevenload.com

Neulich habe ich ein paar Frauen zum Essen ausgeführt. Mal welche, die sich noch nicht kannten. Modupe, Roelin und Barbara. (alle schon mal erwähnt). Gemeinsamkeiten: alle gleichalt, alle Mütter, alle arbeiten auf die eine oder andere Weise viel. Somit waren wir 2 Südafrikanerinnen und 2 Ausländerinnen, 2 Schwarze und 2 weiße Frauen und es war ein toller Abend. Alle hatten was von einander und ich habe mich irgendwann zurückgelehnt und ihnen zugehört (den drei Afrikannerinnen wiederum). Mal gucken, ob wir das erweitern und uns alle 2 Monate zu acht treffen oder so.
Asche auf Haupt: Seb hatte mir den Fotoapparat extra noch mit Ermahnungen zugesteckt, aber ich habe dann völlig vergessen zu fotografieren.

Nun bereiten wir uns auf eine Reise zu viert (mit Reisegruppe) nach Sambia, später zu siebt nach Namibia und dann noch zu zweit nach Johannesburg/Pretoria vor. Das heißt, wenn in den Osterferien Seb zu einer Tagung in Kapstadt ist werden sich die Kinder und ich At und Huibrés Großfamilie anschließen und eine durch und durch organisierte Reise nach Sambia unternehmen. Die Details gehen soweit dass man sich diesmal den Viktoriafällen lieber von dieser als der simbabwanischen Seite nähert, weil durch das viele Wasser dieses Jahr auf letzterer Seite wegen Sprühnebel kaum was zu sehen wäre.Ich weiß nicht, inwiefern da auch die politische Lage in Simbabwe eine Rolle spielt.

Donnerstag, 15.3.07




Ach Eva, Du hast recht. Es haben sich auch lauter erwähnenswerte Dinge ereignet. Gestern ist z.B. unser neues Denneparkbaby geboren; somit ist Rosa nicht mehr die Jüngste.

Der Süße heißt Thomas Dieter Rendani Büsching. Wenn der Name Programm sein sollte, bin ich sehr drauf gespannt. Rendani ist vaVenda und bedeutet Lobpreis.

Morgen abend gibt es wieder eine Art erweitertes DP Abendessen und mit Gayles Anwesenheit ist so etwas wie Tradition hier entstanden. Eigentlich wollten Kiki und Deline, die Südafrikanerinnen hier, Tomcat (so haben die Mädchen Tomboy heute morgen auf dem Weg zur Schule getauft) gleich noch standesgemäß südafrikanisch empfangen, aber sie sind leider übers WE weg.

Na jedenfalls kommen auch immer ein paar Leute von außerhalb: z.B. Jean d’Amour , der, wenn man ihn nach seiner Herkunft fragt, Finnland angibt. Da weiß man erst nichts zu sagen bei den strahlend weißen Zähnen mit schwarzem Gesicht drum herum und einem hart französich-afrikanischen Akzent. Seine Geschichte ist eine von vielen Afrikas. Hat jemand Blood Diamond gesehen? Er kommt zwar nicht aus Sierra Leone, aber aus Ruanda und hat als Totsi im Busch versteckt den Genozid überlebt.

Weiterhin sind Kongo, Simbabwe und manchmal auch Uganda vertreten.

Tuesday, March 20, 2007

Gradse verplegtigheid

... oder so ähnlich heißt die Veranstaltung, bei der Studenten ihre verschiedenen Grade (Bachelor, Honors, Masters, so ist wohl die Reihenfolge) erhalten. Uta geht heute hin auf Einladung von Jean d'Amour. Zum Empfang komm ich dann mit den Kindern hinter her. Alles wichtige über Jean d'Amour gibt's hier
Jetzt heißt es aber weiterarbeiten, Herrschaftszeiten.

... für nur ¥6,108 ...

das sollte es Ihnen wert sein!

Monday, March 05, 2007

Adar 14th

Bekanntlich war letzter Schabbes kein gewöhnlicher, sondern Purim. Grund genug für unsere liebe Nachbarin Gayle, eine Feier zu organisieren, ist doch eines ihrer Anliegen, jüdische Feste in's Kirchenjahr zu integrieren, da ja auch Jesus von Nazareth diese gefeiert hat (so Gayle) bzw. haben mag (so fip).
Es war wirklich ein schönes Abend im Dennepark, Gayle hatte mit den Kindern die Geschichte von Esther eingeübt und vorgespielt und dann wurde fein getafelt.

Thursday, March 01, 2007

Dienstag, 27. Februar – Donnerstag, 1. März: Potch ohne Anna und Carola


[Hallo Anna. Ich drängel mich nochmal dazwischen...]

Obwohl heute erst mein 2. Arbeitstag ist, habe ich bis jetzt (10.36Uhr) soviel Zeit verplempert, dann kann ich die verbleibenden 2 Stunden auch noch damit verbringen, euch auf den letzten Stand bringen.

Um in Südafrika als Physiotherapeutin arbeiten zu können, braucht es eine extra Prüfung, die ich im Oktober ablegen will. Bis dahin heißt es büffeln und im Fachenglisch fit werden. Nach anfänglichem Aufregen über soviel Umständlichkeit finde ich es ganz schön, mich nach 10 Jahren mal wieder theoretisch und dazu noch auf englisch auf den letzten Stand zu bringen.

Praktisch gucke ich mich eher ehrenamtlich um: zB plane ich eine Beckenbodengruppe (gibt’s hier überhaupt nicht, aber laut Fachleuten riesiger Bedarf) und werde nächste Woche in eine Schule für blinde Kinder, die auf ehrenamtliche Physiotherapie angewiesen ist, mal gucken gehen.

Am Sonnabend gehe ich zur Beerdigung von Lettys Bruder.

Letty hat bis letzte Woche einmal wöchentlich unsere Wohnung geputzt. Weil jetzt aber Roelin, für die Letty den Rest der Woche arbeitet, sie nun auch mittwochs braucht (vor allem für ihre Tochter Rika) , werde ich Ikes Firma ausprobieren, die sie vor ein paar Monaten gegründet hat, nachdem sie im Gymnasium aus Kostengründen als Deutsch- und Tourismuslehrerin entlassen wurde. Also statt einmal wöchentlich Letty für 6 Stunden mit Verpflegung und Transport und familiären Kümmernissen jetzt Ikes Putzkolonne 2 Stunden die Woche. Habe heute mit Letty telefoniert. Wir sind uns irgendwie ans Herz gewachsen in der Zeit.

Ihr Bruder ist am WE im Krankenhaus gestorben. Was man hier auf keinen Fall fragt, ist, woran jemand gestorben ist (Würde auch nicht viel bringen, denn schließlich stirbt man nicht an AIDS selbst), ob nun aus Scham oder weil man sonst irre wird weiß ich nicht. Vielleich beides.

Die Nachricht war wie ein Auftakt: heute habe ich im fruit & veg auf der Safttheke, an der ich einmal die Woche Säfte in meine Flaschen füllen lasse, Foto und Kerze gesehen: meine Lieblingsverkäuferin ist gestorben. Es gibt keine Übergangszeit, kein tragisches Ereignis, was dazu führte: sie kommt an einem Tag nicht zur Arbeit weil sie tot ist. Ich hätte sie zu Lebzeiten nicht Lieblingsverkäuferin genannt, einfach weil ich gar nicht viel über die Leute nachdachte. Man macht so seine Späße miteinander, werde freundlich und neugierig beobachtet wie ich bis zu 6 Kinder in Schach halte und 4 leere 3l Flaschen rüberreiche. Der Laden mit Ostcharme, aber voller Obst und Gemüse. Jetzt sehe ich ihr Foto und registriere, dass sie mir die angenehmste in diesem Laden war und aufeinmal WAR; nur unbedeutend älter als ich!

Gayle erzählt ähnliches von der Putzfrau der Fakultät. Sie sind so selbstverständlicher Teil des Alltags. Da bleibst die Zeit um dich herum stehen, und alles bekommt eine andere Farbe.

Da passt der schöne Gedichtband aus Hansels Paket, den ich gerade heute begonnen habe, gut zum Thema: die K-Gedichte von Robert Gernhardt. Ein Segen.

Letty hat 2 Söhne, Mischak, so alt wie Rosa, und Sidisu, 13.

Sie lebt allein weil sie ihren Mann vor einer Weile rausschmiss. Nüchtern sagt sie, allein kann sie mit mehr Sicherheit wirtschaften und wartet nicht mehr drauf, dass er mal mithilft. Sie wirkt sehr realistisch und zuversichtlich. Gott gibt ihr Arbeit und ein Zuhause für ihre Familie. Sie spricht afrikaans und setswana, wir haben uns in englisch immer was zurecht geholpert, aber doch eine Menge voneinander erfahren.

Für mich war das Arbeitsverhältniss zuerst sehr gewöhnungsbedürftig. Aus Deutschland kenne ich die klare Einteilung: Dienstleistung auf der einen, faire Bezahlung auf der anderen Seite – fertig. Durch die zwei verschiedenen Wirtschaftssysteme hier (so nenne ich das jetzt mal), also die eine Welt der gut Ausgebildeten (zZ überwiegend Weiße) mit Gehältern ähnlich dem europäischen Durchschnitt, und die anderen, nicht Ausgebildeten (zumeist Schwarze und Farbige), mit gesetzmäßig vorgeschriebenem Mindestlohn von 700 Rand (70 Euro) im Monat, läuft das hier anders: mit deinen Hausangestellten, so sagt Roelin, bekommst du auch noch einen Haushalt dazu, um den du dich mitkümmerst. Für viele Leute, die wir kennen, ist es deren Beitrag, die ärmeren Landsleute zu unterstützen: Kinderbetreuung und Ausbildung, Rentenversicherung, Kreditvergabe oder Bank. Ob das Standard ist, bezweifle ich.

Ausserdem hat man zu all dem Schlamassel heute die Auswirkungen des Sowetoaufstandes 1976: Die Kinder starteten daraufhin einen Schulboykott, der zwei Jahre anhielt. Man kann sich denken, wie lange man danach zutun hatte, Schulstruktur wieder aufzubauen. Auch in den Familien. Für eine ganze Generation war Bildung passé.

Das heißt es sind die heute +/- 40 jährigen Schwarzen, eigentlich hauptverdienende Generation, die keine Chance und mit viel Glück Aushifsjobs haben.

Uns wie sieht’s sonst so aus?

Uta ist in der parents association: also wieder sowas ähnliches wie Elternsprecherin; diesmal in der Schule und nicht im Kindergarten. Dort sind Noas und meine Nahziele: Mädchenfussballmannschaft (sie ist nicht die einzige, die scharf drauf ist); barfüßige Kinder im Unterricht (als Mutter und Physiotherapeutin werde ich evtl. zu den Lehrerinnen sprechen).

Monday, February 26, 2007

Flora und Fauna





...die Gottesanbeterin besuchte uns in den Magaliesbergen, die anderen Photos entstanden in dem wunderbaren Mapungubwe National Park, im Dreiländereck SA, Botswana und Simbabwe. Der breite Sandstreifen ist der Grenzfluss, Berliner Eltern und deren Freunden bekannt durch das gleichnamige überteuerte Kinderparadies, der Limpopo. Um mal zu zeigen, wie groß meine geliebte Frau ist, habe ich sie neben den Baobab gestellt.
Den Park haben wir bei unserem Ausflug ins Vendaland besucht, eine Bananen verkaufende Dame am Straßenrand hatte Uta beim Bananenkauf darauf hingewiesen. Ist ganz großes Nationalparkkino. Wirklich überwältigend schön (Photos bei Bedarf nachkolorieren).

Vaalfang






...möchte ich diese Bilderserie nennen, die Invokavit beim Fischen mit At und Huibre am - Sie ahnen es - Vaal entstand.
Zunächst wollten wir eine Angelstelle von Pflanzenbefall befreien, man sieht Henri und Richard, Ats Mitarbeiter. Das ging aber nicht. So wechselten wir zu einer unbewachsenen, aber felsigen Stelle. Richard, der ohne Senkblei arbeitete, fing als erster einen Wels, icke hingegen musste dauernd meinen sinker (engl. für Senkblei) zwischen den Felsen hervorkramen (daher der nasse Hemdsärmel). Henri hat's zumeist gefallen. Später hatte ich dann die Rute in Position gebracht. Leider vergebens.

[ACHTUNG, TECHNISCHER HINWEIS: vielleicht mache ich alles falsch, aber z.Z. spielt Blogger (also Google) nicht so richtig mit. Photos verschwinden, es dauert ca. einen Tag, bis ein Eintrag erscheint. Falls jemand weiß, worans liegt, bitte mitteilen.]

Saturday, February 24, 2007

Anna in Afrika III: im Zug



Wie unser mobiles Zuhause fuer 24 Stunden von außen aussieht, seht ihr ja selbst, von innen: so ungefaehr Regionalzugniveau, bisschen unbequemere Sitze, aber okay.
Das Tempo war so, dass man wirklich jedes Bluemchen am Bahndamm genau begucken konnte, ziemlich oft haette man es auch noch pfluecken koennen... Also, wir hatten ja keine Eile, aber leider liess das Tempo besonders gegen Ende der Fahrt nach, also in der Mittagshitze, und deshalb gab es dann auch kaum noch abkuehlenden Fahrtwind. Gruende fuer die Pausen bzw. das Schleichtempo waren fuer mich nicht so richtig ersichtlich, moeglicherweise ist das Schienennetz etwas angeschlagen.
Im so einem Zug arbeiten schaetzungsweise 30 - 40 Leute: 10 Schaffner, 10 Afri-Guard-Personen- oder was auch immer - Schuetzer, 10 Leute von der Bahn mit gestreiften T-Shirts, die saubermachen (aber nur in den ersten Stunden, wenn es sowieso noch sauber ist, danach sind sie dann wohl ein bisschen muede und stehen herum und machen freundliche Konversation) und noch eine Menge Kellner und Koeche, die mobilen Eis- oder Weintraubenverkaeufer mal noch nicht mitgerechnet.
Wir hatten ja eigentlich genug Platz, aber ausgerechnet in unserem Wagen etablierte sich dann die grosse, laute Party mit einer wechselnden Besetzung von ca. 12 Leuten mit vielen, vielen Bierbuechsen, die zunehmend unertraeglich wurde. Alle anderen guckten genervt, aber gesagt hat keiner was, wir natuerlich auch nicht...
Kurz vor Mitternacht bin ich dann mal in den Nachbarwagen: der war mucksmaeuschenstill, und weil da noch Plaetze frei waren, sind wir umgezogen.
Richtig schlafen konnte ich in die Sitze eingequetscht allerdings immer noch nicht, und da war dann auch der Moment, wo ich die ganze Unternehmung ziemlich bescheuert fand, aber:
Morgens kurz vor sechs, als ich als einzige im Wagen wach war und dann einen zartvioletten Sonnenaufgang ueber der Wueste kurz vor Beau Fort West erleben durfte, war wieder alles wunderbar, ehrlich!
Am naechsten Bahnhof stand dann neben uns der Rovos-Train, einer der beiden hiesigen Luxuszuege, und ich war gar nicht neidisch.
Was aber etwas vorschnell war, der haertere Teil der Reise war dann doch die Zeit bis 15.30 bei der Ankunft, einfach wegen der Hitze.
Die Landschaften waren absolut sehenswert, sowohl die Wuesten als auch das Kap mit den Weinbergen bzw. hier ja eher den Weinfeldern.
Mal noch was zum Publikum im Zug: abgesehen von der komischen Partyclique alle Generationen und alle Farben ausser weiss (waren wir wirklich die einzigen...) ausgesprochen freundlich, gelassen und familiaer. Soviel schwarzafrikanisches Familienleben haetten wir sonst nirgendwann erlebt. Unsicher haben wir uns auch keinen Moment lang gefuehlt, was aber eher an der Gesamtatmosphaere als an den amtlichen Sicherheitsleuten gelegen hat...
Insgesamt kann ich also Shosholoza Meyl reinen Herzens empfehlen: je nach Temperament, Finanzen und Menschenfreundlichkeit wie wir im Grossraumabteil fuer 11 Euro (!) oder an 4 Tagen in der Woche im eigenen Sleeperabteil fuer etwas mehr Geld.

Ich hab mich nicht so richtig getraut, in den Wagen hinein zu fotografieren, aber von den Landschaften schicke ich aus Deutschland noch ein paar Fotos nach.

Zu Cape Town: Bei Debbie in der Avo Tree Villa ist es sehr nett, etwas gewoehnungsbeduerftig ist uns allerdings das Klo im Zimmer, also: direkt im Zimmer, hinter einem Wandschirm.
Den Tafelberg habe wir im tiefsten Nebel befahren (mit der Seilbahn, aber ich hatte meine Wanderschuhe wenigstens angezogen, um so zu tun als ob...) und oben die Aufklarung erlebt, ganz grossartig. Oben haben wir ein bisschen small talk mit zwei deutschen Handelsmatrosen gehalten.
Ueberhaupt scheint mir hier die am zweithaeufigsten nach Englisch gesprochene Sprache Deutsch zu sein, ganz offensichtlich meistens in dem Bewusstsein, nicht verstanden zu werden, au weia, liebe Landsleute...!
Den weiteren Tag haben wir im Kirstenbosch Botanical Garden verbracht, ein sehr schoenes Anwesen direkt am Tafelberg, womit natuerlich keiner der anderen botanischen Gaerten mithalten kann, die ich so kenne. Muesst ihr unbedingt auch mal hin, wobei ich mir nicht vorstellen kann, wie ihr dort Henri vom Pfluecken abhalten koenntet...

Touren nach Robben Island sind hier schwer ausgebucht, wir haben nur noch eine fuer Donnerstag, unseren Abreisetag, bekommen. Bis dahin fahren wir ein bisschen in der Landschaft herum.

Friday, February 23, 2007

Afrikaans für Anfänger, Teil III: Musik



Als ich noch in Deutschland weilte, habe ich die Afrikaaner-Charts nur oberflächlich und sporadisch verfolgt (sog. Euphemismus), vielleicht geht es geneigter Leserin oder geneigtem Leser bisweilen ähnlich, weshalb ich auf Folgendes gern hinweisen möchte: Ein Lied, das um einen großen Teil der Boerenwelt geht. Doch zunächst muss ich ein wenig zurückgreifen. An Epiphanias diesen Jahres gingen mein Sohn und ich auf die Festwiese in der Greylingstraat, um mal zu schauen, wie Potch die Feierlichkeiten zum 150ten Jahrestag der Vierkleur begehen würde (es folgt Bildung). Die Vierkleur war ja bekanntlich die Flagge der Südafrikanischen Republik, die sich 1857, in Potch wohl, falls ich das richtig verstanden habe, eine neue Verfassung mit Flagge etc. gab (/Bildung). Pferde, Kanonen und unverschämt lange Reden gaben der Veranstaltung den nötigen feierlichen Ernst (auf dem einen Photo mit dem Flaggenmast im Vordergrund steht rechts, mit Basecap, übrigens Ats Vater, einer der Initiatoren des Festes). Als Henri und ich nun so "sujet fraglos stund[en]" (Niedecken: 1983) hörte ich das erste Mal erwähntes Lied, ohne zu verstehen, worum es ging. Die Melodie war eingängig, wenn auch eher im Schlager- bzw. Volksmusikstil (was ja per se nichts Schlechtes sein muss! - fip möchte da niemandem zu nahe getreten sein), der Text war mir freilich nicht zugänglich - Henri ebensowenig. Des Charakters des Festes eingedenk war mir aber schnell klar, dass dieser sicher nicht der Internationalität, dem Libertinismus oder der Multikulturalität das Wort reden würde. Ich wollte dann immer einmal nachfragen, wer dieses Lied kenne, zumal es auch von den umliegenden Wohnheimen des öfteren erschallte. Es sollte nicht gelingen. Als Uta und ich aber zu Beginn der Woche (von Sonntag bis Dienstag, fip wird berichten) im Vhendaland waren und wir beim Abendessen in unserer Unterkunft saßen, in welcher zu schmackhaftem Abendessen der Fernseher lief, kam eine Sendung, in der sowohl der Namen des Titels genannt als auch die ganze Geschichte des Liedes aufgerollt wurde. De la Rey heißt es, gesungen von Bok van Blerk (kannte ich vorher auch nicht), und wer sich das Video mal angeschaut hat, merkt schon, dass es recht martialisch-pathetisch daherkommt. Daher wird das Lied auch von einigen kritisiert, debattiert wird es jedenfalls recht häufig. Kritikpunkt ist, dass der Text die Suche nach einem starken Mann, oder gar eine militärische Aktion gegen wen auch immer provoziere/ vorantreibe/ artikuliere, zumindest aber zu einer Neudefinition des Afrikaanertums abseits der Apartheid-Bewältigung beitrage. Ist letztgenanntes kaum zu verifizieren, aber auch nicht unwahrscheinlich, scheint erstgenanntes eher abwegig. Z.gr.T. ist es m.E. doch eher eine gewisse wohlige Melancholie und das angenehme Gefühl, ungerecht behandelt worden zu sein, die dieses Lied so populär gemacht haben.
Wozu das Ganze: Illustriert vielleicht ganz gut, was hier vielen wichtig ist.

Kommen wir zum Bildungsauftrag: Text und Übersetzung lauten folgendermaßen (
hier habe ich es gefunden und Übersetzung z.T. leicht geändert):
Op 'n berg in die nag lê ons in die donker en wag

in die modder en bloed lê ek koud,

streepsak en reën kleef teen my
en my huis en my plaas tot kole verbrand sodat hulle ons kan vang,
maar daai vlamme en vuur brand nou diep, diep binne my.

Refr.:
De La Rey, De La Rey sal jy die Boere kom lei?
De La Rey, De La Rey Generaal, generaal soos een man,
sal ons om jou val. Generaal De La Rey.

Oor die Kakies wat lag, 'n handjie van ons teen 'n hele groot mag
en die kranse lê hier teen ons rug, hulle dink dis verby.
Maar die hart van 'n Boer lê dieper en wyer, hulle gaan dit nog sien.
Op 'n perd kom hy aan, die Leeu van die Wes Transvaal.

De La Rey, De La Rey sal jy die Boere kom lei? etc.

Want my vrou en my kind lê in 'n kamp en vergaan,
en die Kakies se murg loop oor 'n nasie wat weer op sal staan.

De La Rey, De La Rey sal jy die Boere kom lei? etc.

Übersetzung:

Auf einem Berg in der Nacht Liegen wir im Dunklen und warten.
Ich liege kalt in Schlamm und in Blut, Rucksack und Regen kleben an mir.
Und mein Haus und mein Hof Sind verbrannt - um uns zu kriegen.
Aber die Flammen und das Feuer
Brennen nun tief, tief in mir.

Ref.:
De la Rey, De la Rey, Kommst Du und führst die Buren an?
De la Rey, De la Rey, General, General,

Wie ein Mann werden wir um Dich fallen,
General de la Rey.

Und die Khakis, sie lachen. Eine Handvoll von uns gegen eine ganze Großmacht.
Und wir haben die Felsen im Rücken,
Sie denken, es ist vorbei.
Aber das Herz eines Buren ist tiefer und weiter -
Sie werden es noch sehen. A
uf einem Pferd kommt er an

Der Löwe vom West-Transvaal! (Spitzname von Koos de la Rey,
West-Transvaal ist wo wir gerade wohnen)


Ref.


Weil meine Frau und mein Kind im Lager verrecken

Fürchten sie sich bis auf die Knochen

Vor einer Nation, die wiederauferstehen wird.


Ref.
... General, General, Kommst Du und holst die Buren?

Nicht alles, was Anna nicht aufgeschrieben hat, erfahren Sie nicht

Nicht erwähnt hat Anna, wie es war, als die Volkszähler in den Dennepark kamen. Uta und ich waren da gerade auf unserer Honeymoon-Tour (Afrikaans für 'Ausflug ohne Kinder') im Vhenda-Land (Uta wird davon berichten).
Glücklicherweise ist fuhrmannsinpotch nicht der einzige Blog im Dennepark, deshalb kann dieses Ereignis in dem Blog unserer Nachbarin Gayle (fip berichtete) nachgelesen (Eintrag vom 21.2.) werden.